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Wer hämmert denn da...?

Schon gewusst...? Eigentlich wollte er "nur" ein historisches Husumer Haus renovieren - heute kann Bernd Biermann vom sensationellen Fund einer beeindruckenden Renaissance-Stuckdecke und vom Husumer Taler erzählen...

Am historischen Haus am Markt 1 sind von Zeit zu Zeit geschäftige Geräusche zu vernehmen. Schon seit einiger Zeit wird dort fleißig gewerkelt, liebevoll restauriert und neuerdings auch wieder gehämmert. Wenn Bernd Biermann den Hammer schlägt, dann tut er dies, um eine Nachprägung des Husumer Talers herzustellen... Eine interessante Geschichte, die eigentlich nur die Fortsetzung eines noch interessanteren Fundes ist. Also fangen wir von vorne an:

Der Husumer staunte nicht schlecht, als er 2013 in seinem neu erworbenen Haus am Markt die Decke im ersten Stock freilegte. Zum Vorschein kam ein Schwanenhals. Dies war der Anfang einer kleinen Sensation! Schnell wurde klar, der Fund war historisch! Es handelte sich bei dem Schwan um einen Teil einer Renaissance-Stuckdecke aus dem frühen 17. Jahrhundert - eine der ältesten, erhaltenen Renaissance-Decken überhaupt, von denen es nur noch ganz wenige in Nordeuropa gibt. In langwieriger, mühevoller und äußerst behutsamer Arbeit haben mehrere Restauratorinnen die Decke komplett wieder freigelegt. Sie waren selber begeistert davon, wie gut die einzelnen Elemente die Jahrhunderte - von den vielen Farbaufstrichen mal abgesehen - überstanden haben.

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Renaissance-Decke in Husum | © Bernd Biermann

Heute weiß Bernd Biermann stolz über die Geschichte des Hauses zu berichten, u.a. ist bekannt, dass der Saal im ersten Stock von der Herzogin-Witwe Augusta von Dänemark mit der Stuckdecke ausgestattet wurde. Ihr wurde einst u.a. das Schloss vor Husum als Witwensitz zugesprochen. Das Herrenhaus am Markt erwarb sie 1624 sozusagen als "Stadtresidenz". Übrigens wurde das Haus schon vor dem Bau des Schlosses regelmäßig als "Absteigequartier" der dänischen Könige genutzt. Der Saal des Herrenhauses diente Augusta wohl zu Repräsentationszwecken - zum Glück!

Bei seinen Recherchen rund um das "Herrenhaus" erfuhr Bernd Biermann noch einiges mehr, das ihn dazu inspirierte, die Vergangenheit Husums wieder aufleben zu lassen.

Der Husumer Taler

Vom Original des historischen Husumer Talers von 1522 gibt es weltweit nur noch elf Stück. Damals wurde die Münze im Husumer Herrenhaus geprägt. Bernd Biermann sorgt nun für eine Nachprägung der Silbermünze. Was kaum jemand weiß: Der Husumer Taler war einst die erste geprägte Talermünze des heutigen Schleswig-Holsteins. Ein Münzmeister wurde kürzlich beauftragt, einen Prägestempel herzustellen. Als Prägestuhl dient jetzt ein uralter Schlachterstock aus Bayern. Die Vorder- und Rückseite der Münze zeigen die Motive von damals, dennoch unterscheidet sich der Taler in Gewicht und Durchmesser vom Original. Hier die Vorderseite von einer der ersten Nachprägungen:

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Husumer Taler / Nachprägung, Vorderseite | © Tourismus und Stadtmarketing Husum GmbH

Besichtigungen

Gerne möchte Bernd Biermann seine Entdeckungen teilen. Nach Fertigstellung ist geplant, das Herrenhaus der Öffentlichkeit durch multifunktionale Räumlichkeiten, bei Führungen und Sonderausstellungen zugänglich zu machen. Zudem sollen Urlauber und alle Interessierten demnächst die Möglichkeit haben, den Husumer Taler selber zu schlagen.

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