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Ausstellung: Wasser. Schiffe. Gondeln.

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Marine- und Venedigbilder von Karl Leipold, Hans von Petersen, Richard von Hagn

Informationen

"Schiffe gucken?" Im Nordfriesland Museum sind Marine- und Venedig-Bilder Karl Leipold und der in Husum gebürtigen Maler Richard von Hagn und Hans von Petersen zu sehen.

Die Marinemalerei, eine Spezifizierung der Landschaftsmalerei, erlebte um 1900 einen letzten Höhepunkt, nachdem das Thema im Goldenen Zeitalter der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts und in der Malerei des 19. Jahrhunderts, etwa bei William Turner oder bei Andreas Achenbach, in bedeutenden Werken behandelt wurde.
Karl Leipold (1864-1943) und Hans von Petersen (1850-1914) waren zeitlebens nicht nur erfolgreiche Marinemaler, sondern nahmen in ihren Bildern gänzlich unterschiedliche Positionen ein. Auch Richard von Hagn (1850-1933), wie Hans von Petersen in Husum geboren, schuf Seestücke und zahlreiche Bilder und Studien von der nordfriesischen Küste.

Leipolds Bilder bestechen durch eine sfumatoartig-diesige, die Farbgebung auf wenige Töne reduzierende, summarische Bildanlage. Seine norddeutschen Landschaften zeigen zwar vielfach typisierende Windmühlen und Schöpfwerke, wenngleich Details und eine damit einhergehende Lokalisierbarkeit weithin ausgeschlossen blieben. Was hingegen zählte, war die übergeordnete Gesamtschau. Und diese galt es malerisch zu inszenieren. Mit anderen Worten: Leipold schuf Bilder, in denen sich die Malerei einer von außen angetragenen, abstrahierenden Vorgabe unterordnete. Wenige, ausgewählte Momente, eine das Bild zentrierende Lichtsensation oder aber eine dunkle Form, setzen sich von einfarbig-vibrierenden Flächen, einem dunklen Wolkensegment oder einem hellen Himmel ab, vor den sich eine indifferent wirkende dunklere Himmelsformation geschoben hat. Es waren dies zweifelsohne kompositorische Konstellationen, die Leipold in der Natur beobachtet hatte, die er nunmehr in seinen Bildern neutralisierte und auf diese Weise absolut setzte. Nähe und damit die greifbare Darstellung von Wirklichkeit wurde zu Gunsten einer Fernwirkung von vorn herein ausgeschlossen. Leipold schuf offene und endgrenzende Räume. In ihnen fahren oftmals Boote und Segelschiffe. Ebenso belebende wie sensibilisierende und darüber hinaus einmal mehr malerisch taugliche Objekte. Vor diesem Hintergrund wird Leipolds Satz, in seinen Bildern sei „das seelische Empfinden das Primäre“ nur allzu verständlich. Statt die Wirklichkeit differenzierend zu beschreiben sah der Maler in ihr eine Membrane zwischen innerer und äußerer, zwischen gesehener und gefühlter Erfahrung, wobei er diese Konstellation vor allem in seinen zahlreichen Bildern aus Venedig auf eine Weise potenzierte, die dem Betrachter schlichtweg den sprichwörtlichen Boden unter den Füßen entzieht. Es sind dies Bilder, die nicht länger auf rationales Verstehen abheben, sondern vielmehr um eine suggestive, d.h. den Betrachter mitreißende Wirkung setzen.

Nicht so Richard von Hagn, der zwischen 1880 und 1890 zumeist in der oberitalienischen Lagunenstadt lebte. Er konzentrierte sich auf eine naturalistisch motivierte Wiedergabe von Wirklichkeit wie auf damit verbundene Lichtsensationen. Offenbar unmittelbar vor dem Motiv entstanden zahlreiche Studien, die von einem hohen Maß an visualisiertem Einfühlungsvermögen getragen wurden. Im Gegensatz zu Leipold schuf von Hagn zumeist topografisch exakte und folglich wiedererkennbare motivische Gesamtansichten, deren Reiz zuvorderst in der Beschreibung des So-Gesehenen und seiner Lokalfarbigkeit lag.
Eine malerische Grundhaltung, der Richard von Hagn auch späterhin in einer Reihe von an der nordfriesischen Nordseeküste entstandenen kleinformatigen Bildern und Studien zum Ausdruck verhalf. Da die motivischen Vorgaben jedoch gleichermaßen durch horizontale Strenge wie durch eine damit einhergehende Leere beeindruckten, entstanden Bilder, in denen sich die gesehene bzw. so erlebte Wirklichkeit in großer Unmittelbarkeit, weil beinahe zäsurlos vor den Augen des Betrachters entfaltet.

Hans von Petersen wiederum unterlegte in einigen seiner Marinebilder einen symbolistischen Zug. Wolkenformationen türmen sich zu riesigen Seeungeheuern auf. Späterhin sah von Petersen von dieser Subjektivierung ab und beschrieb das Meer als einen überwältigenden existenziellen Prospekt. Entgegen der offiziellen Auffassung der von Militarismus und ökonomischem Aufbruch geprägten Zeit haftet diesen Bildern freilich nichts Heroisches an. Im Gegenzug setzte von Petersen auf den Kontrast zwischen einer, zumindest in bestimmten Partien, geradezu sphärisch bzw. wolkig anmutenden Undurchsichtigkeit und einer durch das Sonnenlicht beschienenen, betont naturalistisch wiedergegebenen, wellenbewegten Wasserfläche. Diese verdunkelte sich jedoch in seinen letzten Bildern. Marinemalerei wurde am Vorabend des Ersten Weltkrieges ebenso zum Fanal der heraufziehenden Gefahr wie sie im Gegenzug auch als Ausdruck persönlichen Schicksals gedeutet werden kann: Von Petersen litt an Depressionen und einer Augenkrankheit. Als er zu erblinden drohte, schied er am 18. Juni 1914 freiwillig aus dem Leben.

Die Zusammenstellung der Bilder von Karl Leipold, Richard von Hagn und Hans von Petersen beschreibt eine Grenzerfahrung, die sich für das 20. Jahrhundert zwischen Formerfahrung und Formauflösung wie zwischen Versachlichung, seelischer Transformation und phantastischer Überhöhung als wegweisend zeigen sollte.

Die Werke Karl Leipolds entstammen einer norddeutschen Privatsammlung, die Bilder von Hans von Petersen und Richard von Hagn aus den Sammlungen des Nissenhauses.

Laufzeit: 11. November 2018 bis 3. Februar 2019

http://www.museumsverbund-nordfriesland.de/nordseemuseum/

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